Feedbackkultur im selbstorganisierten Unternehmen? Wie uintent das Experiment Affen-Kette startet, um Kultur und Entwicklung zu stärken
- Laura Arndt

- 8. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Kann eine Organisation ohne feste Hierarchien wirklich eine funktionierende Feedbackkultur aufbauen? Bei uintent stellen wir uns dieser Frage und starten jetzt ein spannendes Experiment: die Affen-Kette. Wir sind uns bewusst, dass dies keine fertige Lösung ist, sondern ein Prozess, den wir testen, lernen und optimieren werden. Doch gerade diese Offenheit und der Mut, Neues auszuprobieren, prägen uns als Unternehmen und sind das Fundament unserer Kultur.
Das Dilemma: Feedback ohne klare Strukturen - unsere Herausforderung
In einer Genossenschaft wie uintent, wo jedes Mitglied Miteigentümer ist und wir auf flache Hierarchien setzen, ist Feedback eine besondere Herausforderung. Die "natürlichen" Feedbackmechanismen, die oft von Vorgesetzten ausgehen, fehlen hier. Wir haben bereits verschiedene Ansätze verfolgt, die jedoch nicht die gewünschte Wirkung erzielten:
Feedbackbücher: ein Ansatz, der leider schnell in Vergessenheit geriet und nicht die gewünschte Dynamik entfaltete.
Feedbackwalks: wertvoll auf unseren Team-Outings, doch nicht regelmäßig genug, um einen kontinuierlichen Feedbackfluss zu gewährleisten.
Feedback-Reminder: einfache Erinnerungen im Meeting wurden oft übersehen oder sind im Alltagsgeschäft untergegangen.
Die Erkenntnis war klar: Es fehlte eine strukturierte, kontinuierliche und gut integrierte Form, die das Problem der fehlenden Feedbackkultur nachhaltig angeht. Hinzu kamen die Hürden in der Praxis: Die Unsicherheit, wann genau man Feedback geben oder annehmen darf, wenn Rollen nicht klar definiert sind und die Übung im Geben und Nehmen fehlt. Vor allem aber fehlte jemand, der sich aktiv und strukturell "kümmert", also proaktiv nachfragt und Feedback einholt.
Die Affen-Kette: Unser experimenteller Ansatz für kontinuierliches Feedback
Inspiriert von der Idee, dass jeder Mitarbeitende ein wichtiger Teil der internen "User Experience" ist, die wir aktiv gestalten wollen, starten wir jetzt unser Experiment: die Affen-Kette.
Der Name ist Programm und leitet sich aus einem einfachen Bild ab: Jeder Affe laust jemanden und wird von einem anderen Affen gelaust. Es bildet sich eine Kette, ein Kreis des Gebens und Nehmens, der eine kontinuierliche Feedbackschleife ermöglichen soll.
So starten wir das Experiment:
Das Kernprinzip ist ein einfaches Losverfahren: Jedes Mitglied wird für die nächsten sechs Monate per Los mit einer anderen Person verbunden. Einer agiert als Mentor/Feedbackgeber, der andere als Mentee/Feedbackempfänger. Dieses Verfahren ist bewusst unabhängig vom Erfahrungslevel gewählt. Bei uintent sind wir divers aufgestellt, von Senior-Genossen bis zu neueren Teammitgliedern. So starten wir alle auf Augenhöhe und bauen potentielle Hemmschwellen aufgrund von Seniorität ab.
Struktur und Kontinuität: Jede Person ist für sechs Monate mit zwei festen Partnern im Austausch (je in einer der beiden Rollen).
Regelmäßige Gespräche: Wir planen, mindestens alle 6-8 Wochen Gespräche zu führen. Das bedeutet mindestens 2-3 pro Konstellation innerhalb des Halbjahres, wovon mindestens eines gesammeltes Feedback aller im Team enthalten soll.
Gesprächsdauer: Ca. 30-60 Minuten.
Inhalte (Erwartungen): Unser Ziel ist es, durch diese Gespräche die Weiterentwicklung und die Qualität der Arbeit zu fördern. Themen könnten sein:
Arbeitsweise, Sozialkompetenz, Kommunikation, Teamfähigkeit.
Potenziale für Weiterentwicklung und Kompetenzaufbau.
Die Wirkung des eigenen Verhaltens auf das Team und externe Stakeholder.
Raum für persönliche Themen und Herausforderungen, die den Arbeitsalltag beeinflussen.
Mehr als nur ein Gespräch: Der "Affe" als Sprachrohr
Ein zentraler Gedanke bei der Affen-Kette ist die erweiterte Rolle des Feedbackgebers. Der Mentor hat nicht nur die Aufgabe, eigenes Feedback zu geben, sondern auch, gesammeltes Feedback von anderen Teammitgliedern einzuholen und als Sprachrohr weiterzugeben. Dies soll den Radius des Feedbacks erweitern und die Affen-Kette zu einem kraftvollen Instrument zur Gestaltung unserer Unternehmenskultur machen.
Unsere Rolle als "Katalysator" (HR-Team): Um den Prozess zu initiieren und am Laufen zu halten, wird das HR-Team etwa alle zwei Monate Feedback-Reminder senden und das Experiment begleiten.
Die Prinzipien und Spielregeln: Vertrauen als Basis für Lernen
Die Affen-Kette basiert auf unserem bestehenden Fundament aus Vertrauen und Respekt. Unsere anfänglichen Leitlinien sind klar:
Leitsatz: "Dient mein Feedback dazu, konstruktiv zu verbessern und Entwicklung zu fördern oder will ich nur etwas loswerden?"
Prinzipien: Vertrauen & Vertraulichkeit, Offenheit & Respekt, Wertschätzung, Konstruktivität, konkrete Beispiele nennen.
Wir gehen davon aus, dass durch regelmäßige Übung und die Gewöhnung an den Prozess alle Teammitglieder lernen, Feedback nicht nur besser anzunehmen, sondern es auch proaktiv und konstruktiv zu geben. Die Affen-Kette soll diese Übung institutionalisieren und die Hemmschwelle abbauen, sich "befugt" zu fühlen, wenn jeder im Kreis die gleiche Rolle und die gleiche Chance hat.
Iteration und Anpassung: Unser Weg, von dem wir berichten werden
Bei uintent verstehen wir, dass die beste Lösung das Ergebnis iterativer Verbesserung ist. Die Affen-Kette ist daher kein starres Regelwerk, sondern ein laufendes Experiment.
Nach der ersten Sechs-Monats-Runde werden wir uns nicht in einer anonymen Umfrage verlieren. Stattdessen nutzen wir unsere bestehende starke Vertrauensbasis für einen offenen Retroworkshop. Hier reflektieren wir gemeinsam, was gut funktioniert hat, wo es Herausforderungen gab (wie die Integration in den Projektalltag) und wie wir das Format für die nächste Runde anpassen können.
Diese Anpassung an die Lebensrealität ist entscheidend. Es geht darum, das System so zu formen, dass es langfristig Bestand hat und die Mitarbeiterentwicklung sowie die Qualität unserer Arbeit auf allen Ebenen fördert. Wir werden Sie über unsere Fortschritte auf dem Laufenden halten!
Was wir aus unserer Feedbackkultur im selbstorganisierten Unternehmen lernen und teilen werden
Auch wenn die Affen-Kette als spezifische Antwort auf unsere Situation bei uintent entstanden ist, sind die zugrundeliegenden Prinzipien universell:
Die Notwendigkeit von strukturierten, kontinuierlichen Feedbackschleifen.
Die Bedeutung von klar definierten Rollen und Erwartungen.
Das Potenzial von zufälligen Kopplungen zur Förderung von Perspektivwechseln.
Die Relevanz von Übung und Gewöhnung für die Entwicklung von Kompetenzen.
Die Bedeutung von Vertrauen als Basis für eine gesunde Unternehmenskultur.
Wir sind gespannt auf die Erkenntnisse, die wir aus diesem Experiment gewinnen werden, und freuen uns darauf, diese Erfahrungen zu teilen.
Was uns bei uintent antreibt
Wir bei uintent glauben fest daran, dass eine starke, gesunde und sich entwickelnde Unternehmenskultur das Fundament für exzellente User Experiences und nachhaltigen Unternehmenserfolg bildet. Daher wenden wir die Methoden, die uns als Agentur erfolgreich machen - die Konzentration auf den "Nutzer", iterative Verbesserung und die Schaffung positiver Erlebnisse - konsequent auch auf unsere interne Organisation an.
Sind Sie neugierig geworden? Erfahren Sie mehr über unsere Philosophie der Employee Experience auf unserer Seite: https://www.employee-experience.net/
Foto von Park Troopers auf Unsplash.



Kommentare