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Quiet Hiring – Win-Win für Angestellte und Unternehmen?


Junge, hellhaarige Frau im Fokus in der Mitte von zwei dunkel gekleideten, unscharfen Frauen.

Der Begriff Quiet Quitting ist inzwischen in aller Munde. Damit gemeint sind Angestellte, die sich nach Enttäuschungen emotional von ihrem Unternehmen entfernt haben und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Was also ist nun wieder Quiet Hiring?

 

Hinter diesem neuen Begriff verbirgt sich eine, nicht unbekannte, Praxis: Quiet Hiring (stille oder heimliche Anstellung) bezeichnet den Prozess, bei dem anfallende Aufgaben nach einer Kündigung an die bestehenden Mitarbeiter:innen verteilt und von diesen zusätzlich übernommen werden müssen[1]. Ein übliches Prozedere: Laut einer Studie des Jobportals Monster, gaben 80 % der befragten Angestellten an, schon einmal heimlich angestellt worden zu sein[2].


Wie sieht Quiet Hiring in der Praxis aus? Welche Gefahren birgt es?

Wenn ein Team durch Wegfall von Mitgliedern in Arbeit untergeht und Begriffe, wie „einspringen“ oder „einmalige Ausnahme“, „kurzzeitig aushelfen“ fallen, sollte man wachsam sein. Schnell passiert es, dass man sich nach ein paar Wochen in einer komplett anderen Rolle wiederfindet - im schlechtesten Fall ohne Ausgleich, Qualifikation oder Gehaltserhöhung. Aus der neuen Rolle wieder herauszukommen kann schwierig werden und teilweise nur durch drastische Maßnahmen, wie einer Kündigung, geschehen[3]. Hier kommt auch das Thema Arbeitszeitbetrug ins Spiel. Denn trotz mehr Arbeit, geben viele Angestellte vor, ihre Arbeitsstunden weiterhin einhalten zu können und machen heimlich Überstunden, um alles zu schaffen – was nicht selten im Burnout oder der inneren Kündigung endet.

Vorteile des Quiet Hiring für Unternehmen

Je nach Perspektive kann Quiet Hiring als Chance oder als Ärgernis gesehen werden. Für Unternehmen ergeben sich offensichtliche Vorteile: Die Personal- und Recruiting-Kosten einer Neueinstellung können gespart und die offene Stelle kann schnell und effektiv ausgefüllt werden, da das Team die fehlende Position ausgleicht. Praktisch ist daran auch, dass keine Einarbeitungszeit vonnöten und der oder die „Lückenfüller:in“ schon bestens mit dem Unternehmen vertraut ist. In Zeiten von Fachkräftemangel ein signifikanter Vorteil[4].


Vorteile des Quiet Hiring für Angestellte

Für Angestellte ergeben sich auf den ersten Blick nicht unbedingt Vorteile: In derselben Zeit muss mehr Arbeit erledigt werden, oftmals ohne eine Erhöhung des Gehalts. Gut geplantes Quiet Hiring kann jedoch auch eine Chance für Arbeitnehmer:innen sein. Der Schlüssel hierzu liegt in drei Dingen: Weiterbildung, Entlohnung und Kommunikation.


Laut der Studie von Monster gab nur die Hälfte der Befragten an, die nötigen Skills für ihre neue Aufgabe zu haben[5]. Werden die Mitarbeiter:innen jedoch ausreichend auf die neuen, zusätzlichen Aufgaben vorbereitet, kann dies eine Chance für berufliche Weiterentwicklung bedeuten und Talente gefördert werden. Je nach Umfang des neuen Aufgabengebietes sollte auch das Gehalt neu verhandelt werden. Zudem sollte klar geregelt werden, wie die ursprüngliche Rolle mit der neuen Rolle verbunden und erfüllt werden soll, mit Hinblick auf das verfügbare Arbeitsstundenkontingent des Angestellten. Quiet Hiring kann also auch ein Karrierestarter oder eine Abkürzung zu einer höheren Position sein.

Wie wird Quiet Hiring zu einer positiven Erfahrung für alle?

Wichtig ist zudem, wie die Übernahme neuer Aufgabenbereiche an die Angestellten herangetragen wird: Wird über ihren Kopf hinweg entschieden oder werden sie selbst an Entscheidungen beteiligt? Was wird Ihnen dafür geboten, wenn sie zusätzliche Aufgaben übernehmen? Wird die Übernahme der zusätzlichen Aufgaben vorausgesetzt oder als Investition des Angestellten anerkannt und wertgeschätzt?


Quiet Hiring erscheint auf den ersten Blick ein notwendiges Übel für Unternehmen zu sein, kann jedoch, mit entsprechender Unterstützung und Planung, auch ein Glücksfall für Angestellte und Arbeitgeber sein. Wichtig hierbei ist, die betroffenen Personen bei Entscheidungen einzubeziehen, sie entsprechend auf die zusätzlichen Aufgaben vorzubereiten und bei einem neuen Verantwortungsbereich auch zusätzlich zu entlohnen. So haben am Ende alle etwas davon.



 

Foto von Tim Gouw auf Unsplash

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