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Bedeutung und Missverständnisse rund um 'Agilität' - Teil 2


Miniaturfiguren die als Hürdenläufer über RAM-Speicher springen

Agilität im Arbeitskontext: Ein Blick auf essentielle Klärungen


In ihrem vorherigen Beitrag besprach Gabri Herrmann bereits gängige Missverständnisse bezüglich "Agilität". Diese Thematik erinnert mich stark an die Situationen, die ich täglich in meinen Beratungsprojekten im Bereich Team- und Organisationsentwicklung erlebe.

Während meiner aktuellen Engagements in verschiedenen Unternehmen stoße ich immer wieder auf weitverbreitete Missverständnisse, die dazu geführt haben, dass "Agilität" in einigen Firmen negativ konnotiert ist. Zahlreiche Mitarbeiter:innen empfinden Frustration und Ablehnung gegenüber dem vermeintlichen "neuen Hype". Es wird Zeit, Klarheit zu schaffen und die tieferen Aspekte der Agilität zu beleuchten.


 

Die Herausforderung der Agilität

Die folgenden Punkte setzen die von Gabri erwähnten vier Missverständnisse fort und vermitteln ein umfassenderes Bild von den häufigsten Irrtümern:


5. "Agil heißt: Einfach mal schnell umsetzen"

Einige Kolleg:innen assoziieren Agilität unmittelbar mit Schnelligkeit. Projekte werden gestartet, ohne klare Ziele oder umfassende Pläne. Neue Features oder Releases werden ohne angemessenes Kundenfeedback oder Prüfungen eingeführt. Kritische Nachfragen von Mitarbeiter:innen werden als rückständig abgetan. Was hier jedoch fehlt, ist der notwendige strategische Rahmen, den jedes agile Team und Unternehmen benötigt.


6. "Wir praktizieren Scrum, ergo sind wir agil!"

Die Reduktion von Agilität auf Scrum als bloße Methode oder Prozess vernachlässigt entscheidende Faktoren. Neben einem klaren strategischen Rahmen ist auch die alte hierarchische Kultur oft hinderlich, da Scheitern nicht als Lernchance begriffen wird. Ebenso fehlt mitunter eine echte Kundenorientierung, wenn beispielsweise Reviews ohne Kundeneinbindung stattfinden. Agilität erfordert mehr als eine Methode.


7. "Ich kann den Teams nicht einfach freie Hand lassen"

Ein gängiges Problem bei der Agilitätseinführung ist die fehlende Einbindung der Führungsebene. Agilität bedeutet, cross-funktionale Teams mit mehr Verantwortung auszustatten, damit sie rasch Entscheidungen treffen können. Dies erfordert, dass Führungskräfte loslassen und Vertrauen schenken. Doch nicht alle Vorgesetzten sind bereit dazu, was zu Frustration führen kann, wenn "empowerte" Teams plötzlich eingeschränkt werden.


8. "Ich bin der Staat"

Es ist nicht ungewöhnlich, "agile" Teams zu sehen, die Scrum einwandfrei umsetzen, aber dennoch nicht wirklich agil agieren. Ein agiles Mindset, das Perspektivenwechsel und Selbstreflexion ermöglicht, fehlt oft. Das Beharren auf einer einzigen Meinung und das Ignorieren von Kundenfeedback führt zu mangelhaften Projektergebnissen.


Die Quintessenz: Agilität in ihrer Bedeutung

In Anbetracht dieser Missverständnisse wird deutlich: Liebe Unternehmensentwickler:innen, es ist essentiell, individuell auf jedes Unternehmen einzugehen. Eine pauschale Einführung von Methoden oder Ansätzen reicht nicht aus. Organisationen sind einzigartig und benötigen maßgeschneiderte Herangehensweisen, um "Agilität" erfolgreich zu gestalten. Ein aufmerksamer, menschenzentrierter Ansatz ist der Schlüssel – ganz im Sinne des agilen Mindsets.


Für tieferes Verständnis empfehle ich "Der Bienenhirte" von Rini van Solingen, "Agile Mindset" von Svenja Hofert als theoretische Grundlage und "Praxisbuch Agilität" von André Häusling, Esther Römer u.a. für eine praxisorientierte Einführung in Agilität.

 

Foto: John Cameron, Unsplash.

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